Der Käfig

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Bild von 1957 Meine Mutter und ich am Fenster

Die Wohngegend war auch nicht gerade Beverlys Hills. Bäume und Blumen hatten damals kaum keine Überlebenschance, bis auf der Weißdornstrauch des unten in der Mitte des unbebauten Grundstückes vor unserem Hausstand. Wie schön fand ich die Blüten des Strauches, und da wollte ich auch mal einen Blumenstrauß pflücken. Dieses vorhaben habe ich wegen der tausenden Dornen bitter bereue. Ich rutschte an einem kleinem Bodenunebenheit aus und viel mitten in den Weißdornstrauch. Es dauerte eine Ewigkeit bis ich alle Dornen wieder aus meinem Körper entfernt hatte. Unsere Straße war eine kleine Parallelstraße zur Rheinischen Straße, und hatte damals noch Kopfsteinpflaster. Wir hatten ein Ballspiel erfunden das nannten wir “Kantentreffen”. Wer zuerst 10 punkte hatte war Sieger des Spieles. Die regeln waren einfach man musste die gegenüberliegende Bordsteinkante treffen, ohne das der Ball vorher auf die Straße berührte. Damals war uns noch nicht klar, dass dies das beste Training für ein gutes Ballgefühl war, das wir überhaupt machen konnten. Übrigens eine Scheibe haben wir nie zerschossen, vielleicht lag es auch daran das der Ball aus Plastik war. Vielleicht lag es auch an der angst, denn damals gab es noch die allzeit beliebte Prügelstrafe. Und geprügelt wurde bei jeder Gelegenheit. Mein Freund Friedhelm genannt “Fiete” wohnte mit seiner Mutter in der Hausnummer 16. Der Ehemann war im Krieg “gefallen”. Friedhelm das Kind von einer Begegnung. Damals war die Alleinerziehung ein richtiges Problem. Seine Mutter ging tagsüber arbeiten in einem Kaufhaus und Friedhelm war auf sich allein gestellt. Friedhelm war ein guter Freund. Zu jeder Gelegenheit hatte er Zeit mit mir Fußball zu spielen. Denn er kannte so wie nur eins: Die Straße. Einen Kindergarten haben wir zwei nicht aufsuchen dürfen. Das kostete auch schon damals Geld und dies musste meine Mutter verwalten. Meine Mutter war ein echter Sparfuchs. Man hatte ja damals wirklich nichts. Wenn ich zurückdenke fällt mir mein Klappbett ein das ich Abends in das Wohnzimmer gestellt bekam. Die Eisblumen im Winter an dem Fenster zur Straße. Dort wo ich herunter blickte auf meine kleine Welt. Friedhelm war noch dünner als ich und dadurch wesentlich wendiger. Dies machte sich besonders bemerkbar als die Stadt Dortmund direkt vor unseren Häusern ein Stahlkäfig aufstellte. Dieser Stahlkäfig hatte einen schwarzen Aschenboden und zwei Handball Tore, ebenfalls aus Stahl. Das Stahlgerüst hatte eine Höhe von zwei Metern und darüber war ein drei Meter hohes Netz gespannt, das verhinderte, dass die Bälle auf die nahegelegen Straßen flogen. Doch das kurioseste an diesem Käfig war die Begrenzung zum Norden mit einem Wohnhaus. Dort wohnte der alter Herr Finger. Damals konnten wir nicht verstehen warum sich der Mann so aufregte. Heute würde er jede Klage gewinnen. Ein Fenster bei dem man auf den Käfig schauen konnte, wurde von der Stadt Dortmund mit einem Stahlgitter geschützt. Jedes Mal wenn der Ball gegen das Stahlgitter prallte gab dies einen Ohrenbetäubenden Lärm. Wir fanden das sogar als Kind als eine Herausforderung. Das ein halb Quadratmeter große Fenster wurde teilweise als zusätzlicher Scorerpunkt gewertet. Wir verbrachten jeden Tag mehrere Stunden in diesem Käfig. Es war für mich das größte hier zu zocken. Die Spielfläche hatte ca. acht Meter in der Breite und sechzehn Meter in der Länge. Mit “Fiete” spielten ich vormittags meist “Eins gegen Eins”. Bis dann am Mittag die Schulkinder kamen und es dann bis zu fünf gegen fünf ging. Das der “Dicke” ins Tor musste gab es nicht bei uns. Zu dieser Zeit gab es keine Dicken Kinder. Nur talentfreie. Bis zum zehnten Lebensjahr spielte in dem Käfig mit “Fiete” fußball, dann zogen wir nach Dortmund Sölde und ich schloss mich einem Fußballverein an. Zu “Fitte” hatte ich noch lange Kontakt. in den Siebzigern fuhren wir zu den Spielen der Borussia. In den Achtzigern habe ich Ihn das letzte mal getroffen. Er hatte eine Stelle bei der Bundesbahn. War spielsüchtig und interessierte sich nur für den BVB. In einer Spielhalle am Bahnhof von Dortmund verabschiedete ich mich von Ihm und wusste das es Abschied für immer wurde.

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